(Buchvorstellung) Couture: Wenn Liebe stärker ist

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Herzlich Willkommen zur Buchvorstellung „Couture: Wenn Liebe stärker ist“ !

  • Taschenbuch: 424 Seiten
  • Verlag: CreateSpace Independent Publishing Platform; Auflage: 1 (28. März 2017)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 1544974892
  • ISBN-13: 978-1544974897

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Um was es geht…..

Felicia steht vor den Trümmern ihres Lebens. Nicht nur, dass ihre Eltern vor einigen Jahren bei einem Unfall starben und sie seitdem die Verantwortung für ihre jüngere Schwester trägt – jetzt hat sie auch noch ihren Job verloren und weiß nicht, wie es weitergehen soll. Als sie in einer bedrohlichen Situation unerwartete Hilfe von dem gutaussehenden Chris bekommt, ahnt sie nicht, welche Konsequenzen das haben wird. Dank ihm erhält sie kurz darauf eine Stelle im neuen It-Club Couture, und plötzlich scheint sich ihr Leben zum Guten zu wenden. Sie fühlt sich magisch zu Chris hingezogen, auch wenn er launisch ist und ständig andere Frauen an seiner Seite hat. Kann sie sich seiner Anziehungskraft erwehren? Und was stimmt nicht mit ihrer Schwester, die sich immer mehr von ihr abwendet?

Felicia trägt nicht nur die Verantwortung für ihre mittlerweile 15 – jährige Schwester Isabell, deren Erziehung und Schulbildung, sondern natürlich auch für ihre Versorgung. Zwei schwerwiegende Themen hat Emma S. Rose in ihrem Buch mit eingewoben und eines davon ist die Beschaffung von Lebensmitteln ohne finanzielle Mittel.

Als Felicia ihren Job verliert, sieht sie nur noch einen Ausweg: Die junge Frau muss zu den Tafeln gehen. Die Art wie ihre Zweifel und Gefühle beschrieben wurden, war so ergreifend, dass mir das Herz ganz schwer wurde. Man konnte ihre Verzweiflung förmlich greifen, als sie diesen schweren Weg auf sich nehmen musste.

Textauszug

> Eine Woche später ging ich das erste Mal zur Tafel. Es war ein lauer Sommertag, und das geblümte Kleid, für das ich mich an diesem Tag entschieden hatte, strafte meiner Laune Lügen. Nie zuvor hatte ich das machen müssen, auch wenn ich manches Mal kurz davor gestanden hatte, und die Tatsache, nun endgültig auf dieses Hilfsangebot zurückgreifen zu müssen, verdeutlichte mir in aller Klarheit, wie tief ich eigentlich tatsächlich in der Scheiße steckte. Der Bescheid, der mich dazu berechtigte, und mit dem ich mich zuvor bereits angemeldet hatte, steckte tief in meiner Tasche. Er fühlte sich heiß an, wie glühendes Feuer, und er passte sich so meinen Wangen an, die vor Scham und Wut erhitzt waren.
Niemand hatte mich darauf vorbereitet, wie erniedrigend es sein konnte, plötzlich kein Geld mehr zu haben, auf Leistungen anderer angewiesen zu sein. Niemand hatte mir gesagt, was es bedeutete, von einem auf den anderen Tag erwachsen werden zu müssen – ganz ohne eine herantastende Gewöhnungsphase, sondern schlagartig. (…) 
Ich seufzte auf, als das schlichte, flache Gebäude in der Ferne auftauchte, in dem sich die Tafel befand. Es war nie leicht gewesen, aber bisher hatte ich stets Jobs gehabt. In Verbindung mit der Waisenrente, die meine minderjährige Schwester erhielt, hatte es gereicht. Vielleicht hatten wir nie im Überfluss gelebt, aber wir waren klargekommen. Doch jetzt?
Es war eine andere Welt. Auch wenn man sah, dass die Mitarbeiter sich wirklich Mühe gaben, alles möglichst freundlich zu gestalten, konnte ich nicht den Eindruck abzuschütteln, eine schwache Bittstellerin zu sein. Ich zeigte ein weiteres Mal den Bescheid vor, zahlte einen Euro und erhielt ein Kärtchen, auf dem vermerkt war, dass ich in einem Zwei-Personen-Haushalt lebte.
Alles lief gesittet und geordnet ab, anders, als ich mir das immer vorgestellt hatte. In meinem Kopf waren stets Bilder gewesen von unsortierten Menschenmassen, die sich auf die ausgelegte Ware stürzten und alles durcheinanderbrachten, doch in Wirklichkeit gab es fest abgesteckte Zeitfenster, zu denen jeder seinen »Abholtermin« hatte, gemeinsam mit wenigen anderen Personen. Kein Gedränge, alles irgendwie übersichtlich, die Waren hell angestrahlt, sodass sie frisch und gut aussahen. Nicht, dass in einer Tafel nur Reste angeboten wurden, doch natürlich waren es in der Regel aussortierte Waren, und das musste man im Kopf erst einmal akzeptieren.
»Heute wird viel zu viel weggeschmissen«, murmelte ich leise vor mich hin, als ich die verschiedenen Stationen ablief. Freundliche Ehrenamtliche reichten mir nach Vorlage meiner Karte Lebensmittel aller Art – Obst und Gemüse, Dosen, Milchprodukte, sogar etwas Süßkram, den ich schon jetzt für meine Schwester bestimmte. Alles wirkte vielleicht ein bisschen zu hell, zu freundlich, und als ich schließlich wieder auf der Straße stand, eine doch recht gut gefüllte Tüte in der Hand, fühlte ich mich irgendwie durcheinander.
Für einen kleinen Moment gab ich mich der Orientierungslosigkeit hin, legte meine freie Hand über die Augen und versuchte, Fassung zu gewinnen – und dann wurde ich unsanft angerempelt.
»Steh nicht so im Weg rum, Schlampe!«, herrschte mich jemand an, und ich riss so schnell die Augen auf, dass meine Lider schmerzten.
»Was?«
Vor mir stand eine kleine Gruppe Frauen – und ohne von Vorurteilen geleitet sprechen zu wollen, wirkten sie doch alle wie eine klischeehafte Darstellung von Assi-Tussen. Sofort schoss mein Puls in die Höhe – eine Mischung aus Wut und Angst zugleich, denn die Frauen blitzten mich seltsam feindselig an.
»Weg da!«, rief eine andere, und eilig trat ich beiseite. Ehe ich ein weiteres Mal den Mund aufmachen, vielleicht meine Ehre retten konnte, trabte die kleine Gruppe weiter, geradewegs in die Tafel, und plötzlich waren sie weg. Einzig der Geruch von Qualm, billigem Parfüm und Haarspray bewies, dass das soeben Geschehene tatsächlich passiert war.
»Verdammter Mist«, murmelte ich leise, dann taumelte ich endlich los. Die Tasche wurde zu einem Bleigewicht, mein Herz schlug dumpf und schwer.
Nein, das hier war eindeutig nicht meine Welt.<<

Ich fand es sehr beeindruckend, wie detailliert die Autorin über dieses Thema Bescheid weiß, welche Gefühle man verarbeiten muss und mit was man zu kämpfen hat. Deshalb habe ich euch mal ein paar Zahlen dazu mitgebracht.

(Quelle Bilder/ Fakten: Die Tafeln)

In Deutschland leben Millionen Menschen in Einkommensarmut oder sind unmittelbar von ihr bedroht: vor allem Arbeitslose, Geringverdiener, Alleinerziehende und Rentner. Wenn das Geld knapp wird, sparen die meisten bei der täglichen Ernährung – zu Lasten ihrer Gesundheit.

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Die Deutschen Tafeln – wer ist das überhaupt?

  • über 900 Tafeln mit mehr als 2.100 Tafel-Läden und Ausgabestellen bundesweit (Gründung der ersten Tafel 1993 in Berlin)
  • knapp die Hälfte eigenständige e.V.s, gut die Hälfte Projekte in Trägerschaft der verschiedensten gemeinnützigen Organisationen
  • ca. 60.000 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer
  • über 2.000 Fahrzeuge im Einsatz; davon haben ca. 59% eine Kühl-und ca. 7,5% eine Tiefkühlfunktion
  • Dachverband der Tafeln ist der Bundesverband Deutsche Tafel e.V., gegründet 1995.

Geografische Verteilung der Tafeln in Deutschland:

Wer darf sich dort hin wenden?

Die deutschen Tafeln unterstützen regelmäßig bis zu 1,5 Millionen bedürftige Personen, davon

  • 23% Kinder und Jugendliche,
  • 53% Erwachsene im erwerbsfähigen Alter (v.a. ALG-II- bzw. Sozialgeld-Empfänger, Spätaussiedler und Migranten)
  • ca. 24% Rentner.

Leider beobachten die Tafeln vor allem die weiterhin hohe Anzahl der bedürftigen Kinder und  Jugendlichen und versuchen gerade in diesem Bereich Extraprojekte zu schaffen.

Felicia gehört zu den eher jüngeren Bedürftigen. Nach dem zweiten Mal gerät sie an ihre Grenzen und Abgründe tun sich auf. Doch dann ist da Chris, der sie aus der Dunkelheit rettet. Er möchte ihr helfen, was Feli sehr misstrauisch und auch beschämt macht, verschafft ihr einen Job und ab da soll es mit den Schwestern auch endlich bergauf gehen.

Das Chris sehr gut aussieht, fast jeden Tag auftaucht und ihr intensive Blicke schenkt, lässt das Herz der Leser höher schlagen. Was mir aber nicht so schnell aufgefallen ist, war das Päckchen, dass auch er zu tragen hat und genau das machte die Geschichte so wunderschön authentisch und romantisch. Emma S. Rose greift in „Couture: Wenn Liebe stärker ist“ nicht nur schöne, sondern eben auch ernste Themen auf und das war für mich sehr faszinierend an der Geschichte.

Emma S. Rose

Schreiben, wollte die Autorin schon immer. Ihr erstes Buch schrieb sie mit 12 Jahren. Emma schickte es sogar zu einem Verlag, wenn auch ohne Erfolg. Später eröffnete sie einen Blog, da sie mit ihrem Beruf einfach unglücklich war und versuchte ihren Traum zu verwirklichen.

Im Mai 2014 erschien ihr Debüt „Lina – Hoffnung auf Leben. Seit 2015 gehört sie der Autorenvereinigung „Das Autorensofa“ an und kann so auf den Messen Präsenz zeigen.

Ihr Traum hat sich erfüllt: Sie ist freischaffende Autorin. Mehrere Bücher stehen im Regal und Emma kann nicht aufhören zu schreiben – zum Glück für uns. (Bild von Emma S. Rose )

Da ich so beeindruckt von ihren Kenntnissen war, hab ich Emma einfach gefragt, wie es dazu kam….

Danke Emma, dass du dir kurz Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten. Wie kam es denn dazu das Thema „Die Tafeln“ und die Problematik der Unterversorgung zu behandeln?

Hallo liebe Luna, sehr gerne nehme ich mir die Zeit dazu. Ich freue mich immer, wenn sich jemand intensiver mit den Themen meiner Bücher auseinandersetzt, und das merke ich an solchen Fragen wie die, die du mir stellst.

Im Prinzip kann ich Frage eins und zwei ein bisschen gemeinsam beantworten. Zunächst einmal ist es so, dass ich in meinen Geschichten gerne auch einen dramatischen Kern einbaue, dabei variiere ich etwas mit den Themen. Die Geschichte zweier Schwestern, die Schwierigkeiten haben, sich finanziell über Wasser zu halten, war neu für mich und rührte aus einer Mischung aus Erinnerung an früher, aber auch in gewisser Weise Arbeitserfahrungen (gleich dazu mehr). Ich bekam Lust, über den Zustand von „Waisen“ zu schreiben, und da war es für mich nageliegend, die Unterversorgung mit einzubauen. Heutzutage ist ja längst nicht jeder so gut auf solche Situationen vorbereitet (okay, grundsätzlich ist das wohl niemand), kann nicht unbedingt auf einen großen finanziellen Puffer zurückgreifen. Und dann kann es sehr schnell gehen …

Hast du einen persönlichen Bezug dazu?

Der persönliche Bezug sieht so aus, dass während meiner Schulzeit eine Mitschülerin ihren Vater ganz plötzlich verlor. Und da einige Jahre zuvor ihre Mutter gestorben war, war sie auf einmal Vollwaise … mit Schwester. Ich habe an sie denken müssen, habe mich gefragt, wie es ihr wohl geht, und plötzlich entstand die Idee. Allerdings haben meine und ihre Geschichte nichts gemeinsames, abgesehen von der Tatsache, dass Feli und Isa eben auch Waisen sind.

Und was die Tafel angeht: Ich selbst musste dieses Angebot nie in Anspruch nehmen, habe aber schon mit der Tafel kooperiert, als ich eine Weile als Sozialarbeiterin in einer Notunterkunft für Menschen mit Drogenproblemen gearbeitet habe. Sie haben uns damals mit Lebensmitteln für unsere Klienten versorgt, die diese dann zweimal wöchentlich bei uns abholen konnten (um die Hemmschwelle gering zu halten).

Für mich war es ja dein erstes Buch, deshalb meine Frage. Beinhalten mehrere deiner Bücher realitätsnahe Umstände?


Ich gebe mir tatsächlich die größte Mühe, immer möglichst realitätsnah zu schreiben. So kann ich kritische Umstände ansprechen. Ich widme mich gerne Themen, die sonst eher totgeschwiegen werden. Mein Debüt geht ja sogar um sexuellen Missbrauch in der Familie. Die Liebe macht die schweren Themen dann „erträglicher“. Ich weiß ja, dass viele in Büchern abtauchen wollen und dort nicht auch noch mit Problemen belastet werden wollen. Es gibt aber auch durchaus Geschichten mit weniger Drama und mehr Liebe von mir. Das muss ja auch zwischendurch sein! 🙂
Danke für deine Fragen und die Zeit, die du dir mit Couture genommen hast! 🙂

Vielen Dank dafür!

Falls ihr erfahren wollte, wie ich das Buch finde, könnt ihr gern hier meine Rezension dazu lesen. Ich werde mich definitiv bald dem nächsten Werk aus der Feder von Emma S. Rose zu wenden.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick auf die ernstere Seite von „Couture“ verschaffen. Natürlich ist aber auch die Liebesgeschichte nicht zu kurz gekommen und hat mich absolut verzaubert.

Wenn ihr gern noch mehr zum Buch erfahren möchtet, findet ihr hier drei der anderen Beiträge zu „Couture: Wenn Liebe stärker ist“:

  1. Buchvorstellung mal anders bei Phoebe von PM-Thinks
  2. Autoreninterview bei Diana von Buchmelodie
  3. Protagonisten Interview bei Kathi vom Sabine-Test-Blog
  4. Protagonisten Interview bei Claudia von Carlosia reads Books

Ihr könnt einfach bei jedem weiter zum nächsten hüpfen und das lohnt sich, denn jeder Beitrag ist anders gestaltet!

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8 Gedanken zu “(Buchvorstellung) Couture: Wenn Liebe stärker ist

  1. Schöner Beitrag. Den Auszug mit der Tafel fand ich sehr interessant. Das ist einfach mal richtig lebensnah, und für viele Leser ist es bestimmt interessant zu lesen, wie das so funktioniert. Ich selbst war zum Glück nie als Kundin bei der Tafel, auch wenn ich schon so manch magere Jahre hatte (während und nach dem Studium). Ich arbeite seit Kurzem im Sozialamt, wo meine „Kunden“ auch alle Geringverdiener sind und teilweise zur Tafel gehen. Mittlerweile gibt es sogar öfter mal Aufnahmestopps, da die Nachfrage so groß ist. Das ist aber wohl eher dem Umstand geschuldet, dass es zu wenige Ehrenamtliche gibt, denke ich. Denn hier in Deutschland wird genug Essen weggeschmissen, wir haben eigentlich genug Lebensmittel zum Verteilen. Aber das muss auch erstmal einer koordinieren etc.
    Man muss leider dazu sagen, dass es auch Leute gibt, die die Ämter total bescheißen und Leistungen völlig zu Unrecht erhalten. Die haben dann kein Schamgefühl und lassen sich vom Sozialstaat aushalten und nehmen Leuten die Plätze weg bei der Tafel, die wirklich darauf angewiesen sind. Und dann gibt es die Leute, die wirklich nix haben, aber trotzdem nicht zur Tafel gehen, weil sie sich schämen. Ich bin jedoch der Meinung, man sollte sich nicht schämen. Viele Leistungsempfänger kommen ja leider ganz schuldlos in solche Situationen. Viele schämen sich richtig, hier Leistungen zu beantragen.
    Ein Freund von mir hat jahrelang bei der Tafel ein bisschen ehrenamtlich gearbeitet. Er hat das auch erlebt, dass manche Leute – wie die „Assi-Tussen“ aus der Leseprobe – sich nicht benehmen können, fordernd und unverschämt sind oder z. B. lügen, um die doppelte Menge zu erhalten. So entsteht das Bild der asozialen, stets fordernden Sozialhilfeempfänger. Schade. Ich denke, die meisten Leute sind total nett und absolut nicht gern in dieser Situation. Dieses Gefühl hat die Autorin bei ihrer Protagonistin sehr gut rübergebracht.

    LG, Bianca

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