Ein Cowboy für eine Nacht (von Rose Bloom / Kurzgeschichte Teil 1)

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Ein Cowboy für eine Nacht
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bookstheessenceoflife.wordpress.com

Von Rose Bloom

 

(Achtung! Diese Kurzgeschichte enthält erotische Szenen. Altersfreigabe ab 18 Jahren!)

 

Kapitel 1

Wyoming. Der Arsch der Welt. Der am wenigsten bewohnte Ort der USA. Und was hatte ich damit zu tun? Einiges, wenn es nach meinem Dad ginge, denn ich sollte meine Semesterferien und die Osterfeiertage bei meiner Grandma verbringen. In Laramie.
Gerade so konnte ich mir die Freudensprünge verkneifen. Und wieso? Weil er gemeint hatte, dass die frische Landluft und das Farmleben mir guttun würden.
Pff!
»Miss? Alles in Ordnung bei Ihnen?« Der ältere Mister Green hinter der Kasse, in dem kleinen Tante-Emma-Laden, übrigens dem einzigen hier in der Stadt, schaute mich väterlich besorgt an. Hatte ich das Geräusch eben laut gemacht? Er musste denken, ich wäre irre. Aber vielleicht sollte ich ihn in dem Glauben lassen. Könnte witzig werden.


»Ja, danke«, murmelte ich nur und er tippte weiter die Beträge der Lebensmittel, die ich für Grandma einkaufen sollte, in seine Kasse aus der Steinzeit. Ich liebte meine Oma, um sie ging es hier nicht. Aber ich hatte ein definitives Problem mit Langeweile. Das war schon immer so gewesen. Und die war hier vorprogrammiert. Außer man stand auf Küheschubsen oder Traktorrennen. Hm, nein, wohl eher nicht.
Seufzend stützte ich mich mit den Ellbogen auf dem Tresen ab. Kurz überlegte ich, ob ich Mister Green helfen sollte, damit ich wenigstens etwas zu tun hatte. Doch in diesem Moment hörte ich das leise Bimmeln der Türglocke und drehte mich nichtsahnend nach dem Geräusch um.
Mein Mund wurde trocken. Ich konnte noch nicht mal schlucken, denn die Flüssigkeit meines gesamten Körpers hatte sich an einer Stelle gesammelt. In meinem Höschen.
Ein Meter neunzig pure Männlichkeit. Sex auf zwei Beinen, wie meine beste Freundin Nathalie zu sagen pflegte.
Oh Gott, mein Herz raste, als ich die lauten Schritte vernahm, die seine derben Boots auf dem Holzboden machten. Mein Blick wanderte von unten nach oben. Abgewetzte Jeans, ein weißes T-Shirt, das unfassbar scharf die Muskeln seines Oberkörpers betonte und auf dem Kopf ein schwarzer, verstaubter Cowboyhut. Sein Gesicht hatte ich noch nicht gesehen, denn er senkte den Blick, um etwas aus einem Regal zu fischen. Aber das war garantiert genauso heiß wie der ganze Kerl. Scheiße. Dieser Typ war ein richtiger Mann. Nicht wie die Jungs, die mit mir zum College gingen, und sich mit gerade mal zwei Haaren auf dem Kinn schon als Männer bezeichneten. Nein. Alle von diesen Hosenscheißern könnten sich eine Scheibe von diesem hier abschneiden! Und es wäre immer noch genug Männlichkeit an ihm selbst dran gewesen, um sie alle in die Tasche zu stecken.
Mit feuchten Fingern fuhr ich durch meine langen, dunkelblonden Haare und stellte mich aufrecht hin. Danke, Gott, dass ich mir heute Morgen, bei diesem arschheißen Wetter, eine knappe Shorts und ein enges Top angezogen hatte. Im gleichen Moment sah er auf und sein Gesicht war der Wahnsinn.
Dunkler, gleichmäßiger Bart. Nicht lang genug für einen Holzfällerbart, doch genau richtig, dass man daran ziehen konnte. Stechend grüne Augen unter dichten dunklen Wimpern. Ein kräftiger Hals zum Niederknien. Keine Ahnung, wieso, aber ich stand auf männliche Hälse und die gesamte Partie um die Schultern. Vor allem seine.
Ich zog ein wenig die Mundwinkel nach oben. Mit meinen langen Haaren und den blauen Augen sah ich nicht ganz so übel aus. Mein Hintern war eine Nummer zu groß, meine Hüften rund, aber im Großen und Ganzen war ich zufrieden. Und normalerweise reagierten die Männer auf meine Reize. Ich mochte es, diese einzusetzen. Aber von dem hier kam keine Regung.
Kein Blinzeln. Kein Nicken. Kein Zucken seiner Mundwinkel. Mist.
Plötzlich reifte ein einziger Wunsch in mir heran. Ich wollte ihn. Genau diesen hier! Mit allem! Ich wollte sein Lächeln, seine Küsse, seine Stimme hören und vor allem seine verdammte Aufmerksamkeit!
»Miss?« Genervt sah ich den Kassierer an, der mich dabei unterbrach, im Geiste meinen neuen Plan vollständig fertig zu schmieden. »Das macht zweiundzwanzig Dollar fünfzig.«
Schnell kramte ich einen passenden Schein aus meiner hinteren Gesäßtasche und nahm die Tüte mit den Lebensmitteln und das Wechselgeld entgegen. Ich trat einen Schritt zurück, denn ich spürte Mister Supersexycowboy hinter mir und sah mir sein Profil aus der Nähe an. Er legte einige Dosen Ravioli, eine Packung Nudeln und Zahnpasta auf den Tresen. Sah nicht so aus, als hätte er eine Frau, die ihn bekochen würde. Gut.
»Hi«, sagte ich, doch er sah noch nicht mal zu mir. »Hallo, habe ich gesagt.« Nichts. So langsam wurde es peinlich. Verwirrt sah ich Mister Green an, aber der schüttelte nur kaum merklich den Kopf in meine Richtung. War der heiße Kerl taub? Ein letzter Versuch. »Ich meinte dich, Cowboy.« Okay, das war superdämlich. Fast ließ ich die Tüte fallen und rannte nach draußen, um mich in dem Pferdetrog vor dem Laden zu ertränken. Doch auch diese äußerst geistreiche Bemerkung bekam noch nicht mal ein Achselzucken. Er packte seine Sachen ein und lief an mir vorbei. Viel zu nahe, denn ich roch ihn und würde diesen Geruch ganz bestimmt nie wieder vergessen. Er duftete nach Arbeit, Leder, frischem Heu und einem winzig kleinen Hauch Deo. Das machte mich unsagbar an.
Viel zu schnell verschwand er nach draußen und ich sah ihm hinterher.
»Sie sollten sich lieber von ihm fernhalten, Miss.«
Abrupt drehte ich mich zu Mister Green um. »Wieso?«
»Er ist nicht gut für ein Mädchen wie sie. Er möchte lieber alleine auf seiner Ranch bleiben. Genaugenommen hat er mit keinem von uns allen, seit er hier wohnt, je ein Wort gewechselt.«
»Kein einziges?«
»Nein.«
»Ist er stumm? Oder taub?«
»Das ganz sicher nicht. Der Einzige, mit dem er spricht, ist Pfarrer Anderson. Er hat eindeutig keine Lust auf jemand anderen und wir halten uns alle fern. Es ist doch auch merkwürdig, wenn ein Mensch so ist, oder nicht?«
»Hm«, murmelte ich nur und sah durch die Glasscheiben, hinter denen er gerade in einen grünen Pick-up stieg und wegfuhr.
»Wie lange wohnt er denn schon hier?«
»Es müssten jetzt fast genau fünf Jahre sein.«
Wow! Fünf Jahre ein Einsiedlerleben? Er musste doch Freunde abseits der Stadt haben … »Wie heißt er denn?«
»Chase, Miss. Chase Wright.«
Chase. Sein Name lag perfekt auf meiner Zunge.

 

 

Kapitel 2

Ich hatte Grandma gestern noch über Chase gelöchert. Auch sie war der Meinung, dass eine junge Dame keinen Kontakt zu solch einem groben Herren pflegen sollte. Ihre Worte, nicht meine. Ich fand ihn immer noch unsagbar anziehend und war mit zweiundzwanzig alt genug, selbst zu entscheiden, mit wem ich mich abgab. Oder wen ich flachlegte. Außerdem zählte ich mich nicht unbedingt in die Kategorie Dame.
Und der größte Punkt: Mir war immer noch sterbenslangweilig. Auf Grannys kleiner Farm gab es, obwohl Grandpa vor über zwei Jahren gestorben war, nichts zu tun. Dafür hatte mein Dad mit zahlreichen Aushilfskräften gesorgt. Und die Aufgabe, Chase Wright für mich zu gewinnen, hatte doch eindeutig mehr, als Pferdescheiße wegzuschaufeln oder Kühe auf irgendwelchen Wiesen hin und her zu treiben.
Aus diesem Grund saß ich nun in meinem Jeep und war auf dem Weg zu Chase’ Ranch. Denn es war nicht schwer, bei einer Einwohnerzahl von zwei Händen voll, herauszufinden, wo sich welche Farm befand.
Als ich auf das kleine, rote Wohnhaus zufuhr, bewunderte ich die Größe des umliegenden Gebietes. Und das bewirtschaftete er alles alleine? Links und rechts des Feldweges zum Wohnhaus befanden sich weitläufige Koppeln mit vielen unterschiedlichen Arten von Pferden. Ich kannte mich damit ein bisschen aus, denn meine Großeltern hatten früher eine Hobbyzucht betrieben.
Die Sonne brannte auch heute erbarmungslos vom Himmel. Ich strich mir mit dem Handrücken den Schweiß von der Stirn, nachdem ich das Fenster ganz heruntergekurbelt hatte. Der alte Jeep hatte Grandpa gehört, und ich würde ihn für nichts auf der Welt für ein neueres Modell eintauschen. Auch wenn es hieß, hier bei so einem Wetter zu braten.
Als ich am Ende der Weiden parkte, stieg ich aus und sah mich um. Zu meiner Rechten befand sich eine Scheune, dahinter so etwas wie ein kleiner See. Aber Chase konnte ich nirgendwo entdecken.
Meine Stiefel wirbelten den Staub auf dem trockenen Boden auf, als ich auf die Scheune zulief. Plötzlich hörte ich lärmendes Hundegebell und blieb stehen. Denn nicht nur ein Hund rannte gerade in rasendem Tempo auf mich zu, sondern gleich drei. Meine Güte! Glücklicherweise hatte ich keine Angst vor ihnen, denn unsere Familie hatte schon immer welche auf der Farm gehabt und ich früh genug mit ihnen gespielt.
Deshalb blieb ich einfach stehen, denn wegrennen wäre nun das Schlechteste gewesen. Doch bevor die drei mich erreichten, vernahm ich einen lauten Pfiff und sofort blieben sie stehen. Wow, die hatte er aber gut unter Kontrolle.
Und da war er. Chase tauchte hinter der Scheune auf und sah mich fast wütend an. Er trug die gleichen Boots und Jeans wie gestern, dafür aber kein Hemd. Danke dir, Gott! So langsam sollte ich mich ihm erkenntlich zeigen.
Schweiß glänzte auf Chase’ nacktem Oberkörper und ich musste schon wieder bei seinem Anblick schlucken. Ich stellte mir vor, wie er mich rücksichtslos in das Heu neben sich warf und sich auf mich stürzte. Meine Hände krallten sich dabei in sein dichtes, dunkelbraunes Haar und fuhren gierig über die Muskeln an seinem Rücken.
»Hi!«, rief ich ihm zu, aber er blieb weit entfernt stehen und sah mich immer noch fragend an. »Wir haben uns bei Mister Greens Gemischtwarenladen getroffen. Gestern. Weißt du noch?«
»Was willst du?«, knurrte er. Aha, also konnte er doch sprechen. Und seine Stimme lief mir wie warmes Öl den Rücken hinunter.
»Morgen ist Ostern und ich dachte mir, vielleicht hast du heute schon Lust auf Kuchen.«
»Kuchen?«
Ich ging einen Schritt auf ihn zu. Wieso sollten wir auch so laut über den Hof schreien, wenn man sich näher viel besser unterhalten konnte.
»Ja, Kuchen.« Ich zuckte mit den Schultern und blieb wieder stehen. »Ich hab ihn im Auto und kann ihn gleich holen.«
Ohne ein weiteres Wort drehte er sich um, pfiff noch ein weiteres Mal und verschwand, in Begleitung der Hundemeute, hinter der Scheune.
Echt jetzt? Er ließ mich einfach stehen und sagte noch nicht mal Dankeschön? Aber er hatte auch nicht darum gebeten, dass ich ihn besuchte. Genaugenommen hatte er mehr als deutlich gemacht, dass er keinerlei Interesse hatte. Und genau das stachelte mich umso mehr an.
Was sollte er auch tun, wenn ich ihn nervte? Er würde mich schon nicht in seinem See ertränken oder den Hunden zum Fraß vorwerfen.
Also lief ich mutig los und folgte dem Weg hinter die Scheune. Dort sah ich ihn, mit einer Heugabel in der Hand, wie er das Heu in verschiedene Außenboxen warf. Bei seiner Bewegung trat jeder einzelne Muskel hervor. Sein Körper war wirklich gewaltig, wirkte jedoch trotz seiner Größe grazil. An seiner linken Seite erkannte ich, umso näher ich kam, eine verblasste, langgezogene Narbe. Woher er die wohl hatte? Ich blieb in sicherer Entfernung stehen und betrachtete ihn einfach nur. Solange er es nicht bemerkte, konnte ich die Show doch genießen. Wenn es ihm auffiel, warf er wahrscheinlich die Heugabel nach mir.
»Wieso gaffst du mich an?«, brummte er, hielt jedoch nicht inne oder sah zu mir.
»Gaffen?«, stotterte ich. »Wieso sollte ich gaffen?«
Er senkte die Gabel und stützte sich darauf ab. »Sag du es mir.«
Seine grünen Augen saugten mich wie in einen Strudel, aus dem ich nicht entkommen konnte. Ich musste aufs Ganze gehen. »Du bist heiß. Das müsstest du doch wissen«, sagte ich leise, doch auch dafür bekam ich keine Reaktion. Er nahm wieder seine Arbeit auf. Wenigstens hatte ich zwei Sekunden seine Aufmerksamkeit gehabt. Ich war krank, dass ich mich darüber freute.
»Feierst du Ostern alleine hier?«, fragte ich. Natürlich ignorierte er mich. »Keine Eiersuche?«
Er seufzte. »Ernsthaft?« Nun sah er mich doch wieder an. »Was willst du?«
»Nichts, ich hab doch schon gesagt, ich wollte nur Kuchen vorbeibringen.«
»Ich möchte deinen beschissenen Kuchen nicht! Verschwinde dorthin, wo du hergekommen bist, und lass mich einfach in Ruhe!«
»Mein Name ist Kiki«, stellte ich mich trotzdem vor.
»Kiki? Bist du ein verdammtes Huhn, oder was?«
Ich schnappte nach Luft. »Eigentlich heiße ich Katelyn. Aber meine Mum nannte mich immer Kiki. Nachdem sie gestorben war, haben wir das beibehalten …«
»Du fängst jetzt nicht an, zu heulen, oder?«
»Arschloch! Die Leute in der Stadt haben recht. Du bist ein sozialer Krüppel!«, fauchte ich ihn an und verschränkte die Arme vor der Brust.
Einige Zeit sah er mich stumm an, dann zog er die Augenbraue nach oben, ohne sonst einen weiteren Ausdruck zu verändern.
»Wut ist besser. Sie überschattet jedes andere Gefühl. Vor allem Trauer. Merk dir das.« Er warf die Heugabel auf den Boden, drehte sich um und verschwand in der Scheune. Mit einem ohrenbetäubenden Knall flog die Seitentür ins Schloss und ich stand alleine mit den drei Hunden vor dem Heuberg. Aus welchem Grund konnte man so werden? So arschig, übellaunig und verbohrt?
Trotzdem hatte er irgendetwas an sich, das mich anzog. Ich wollte herausfinden, weshalb er so war. Und irgendwie musste dieser Typ doch zu knacken sein. Denn ich konnte mir nicht vorstellen, dass es auf Dauer Spaß machte, immer alleine zu sein.
Mit einer Mischung aus Wut und Bedauern ging ich zurück zu meinem Jeep und ergab mich meinem Schicksal. Heute.

 

Die vorgegebenen Wörter waren übrigens:

Heu  –  Eiersuche  –  falscher Hase  – Cowboy – Lassospiele“  xD

Na, wie hat euch der erste Teil gefallen? Ich freue mich über jeden Kommentar und wenn ihr Lust habt, teilt es mit euren Freunden. Morgen findet ihr hier den zweiten Teil. Und es wird heiß…..

Und dank der lieben Rose wird es morgen auch ein kleines Gewinnspiel geben ❤ 

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8 Gedanken zu “Ein Cowboy für eine Nacht (von Rose Bloom / Kurzgeschichte Teil 1)

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